top of page

Point of View (POV) – Alles Ansichtssache

Cover von "Point of View" auf einem thematisch-szenischen

Cover des Spiels auf thematischem Hintergrund; Quelle: HABA


POV – weder Instagram noch Erotikfilm, sondern Wimmelbild-Abenteuer! 🙂


Point of View von HABA schlägt in eine ähnliche Kerbe wie MicroMacro von Pegasus, macht dabei aber eine entscheidende Sache besser: Nicht jede*r Spieler*in hat dieselben Informationen.


Statt dass alle auf denselben Plan schauen, sieht jede*r Spieler*in dieselbe Szene aus einer anderen Himmelsrichtung. Vier Blickwinkel, vier Pläne. Was die Person im Norden sieht – etwa einen Mann vor einem Haus – bleibt der Person im Süden möglicherweise komplett verborgen. Das gilt es dann den anderen am Tisch mitzuteilen.


Selten schafft es ein Spiel, kommunikative Zusammenarbeit so konsequent in den Mittelpunkt zu stellen – und das nahezu ohne Regeln. Natürlich ist das nicht ganz wörtlich zu nehmen: Regeln gibt es schon, aber im Vergleich zur restlichen Brettspielwelt bewegen sie sich eher im Promillebereich.


Gesteuert wird das Ganze hauptsächlich über einen Kartenstapel mit Aufgaben. Das – und dass man sich gegenseitig die Pläne nicht zeigt – ist im Grunde schon das Regelwerk. Dieses kooperative Rätsel- und Kommunikationsspiel lebt vollständig vom gemeinsamen Beschreiben, Abgleichen und Verstehen unterschiedlicher Perspektiven. Gleichzeitig erzählt der Kartenstapel eine zusammenhängende Geschichte – mit einer angenehm dosierten Prise Humor.


Die Auflösungen durch das Zusammensetzen dieser 'Beschreibungspuzzles' sorgen regelmäßig für echte 'Aha'!-Momente. Zusätzliche Tiefe bringen Karten ins Spiel, die neue Informationen liefern oder weitere Perspektiven eröffnen – etwa Ansichten von Innenräumen, die entweder allen oder nur einzelnen Spieler*innen zugänglich sind. Ein weiterer Pluspunkt: Kooperative Alpha-Spieler*innen werden hier effektiv ausgebremst – ein klassisches Problem vieler Koop-Spiele.


Die drei Musket-… ähm … POVtire


Aktuell sind drei Ableger erschienen: Lost Places, Spooky Festival und – seit Oktober 2025 – Clash Club: Session 1. Wie bei vielen Rätselspielen dieser Art gilt: Der Wiederspielwert ist begrenzt. Ist man einmal durch, kennt man die Inhalte. Danach lässt sich das Spiel problemlos weitergeben – das Spielmaterial wird dabei nicht zerstört, ganz im Gegensatz zu anderen Rätselspielen.


POV eignet sich hervorragend für Spieleabende mit Freund*innen oder Familie, die Lust auf intensive Konversation und Kooperation haben. Dabei ist es natürlich von Nutzen, wenn jede*r etwas räumliche Vorstellungskraft mitbringt.


Porthos


Das aktuelle Abenteuer Clash Club unterscheidet sich vor allem im Umfang von den vorherigen Ausgaben. Der Untertitel Session 1 deutet bereits an, dass weitere Kartenpacks folgen sollen, die dieselben Pläne weiterverwenden – denn enthalten ist 'nur' ein einzelner Kartenstapel.


Zwar handelt es sich hierbei um ein vollständiges Abenteuer, die einzelnen Kapitel sind jedoch deutlich kürzer als in den beiden vorherigen Ausgaben. Dort entspricht ein Kapitel nahezu einem kompletten Kartenstapel. Das hat zur Folge, dass Clash Club definitiv an einem Abend durchgespielt werden kann. Bei den anderen beiden Titeln dauert das spürbar länger. Dafür kommt dieses Abenteuer schneller auf den Punkt.


Genau hier liegt für mich allerdings der größte Kritikpunkt. Bei einer UVP von 15,- Euro im Vergleich zu 25,- Euro, bei den vorherigen Ausgaben, bekommt man inhaltlich eigentlich nur etwa ein Viertel bis ein Drittel dessen, was Lost Places oder Spooky Festival bieten. Durch den inzwischen deutlichen Preisverfall liegen alle drei Ausgaben aktuell preislich recht nah beieinander – und dann sollte man sich die Entscheidung gut überlegen. Für den Einstieg empfehle ich daher klar die ersten beiden Ausgaben.


Dafür hat die aktuelle Ausgabe mindestens eine wirklich interessante kleine Überraschung parat, die ich so aus vergleichbaren Spielen noch nicht kenne. Da ich euch das selbstverständlich nicht spoilern werde, lasse ich euch mit eurer Neugier allein. ;)


Weiterhin ist zu bedenken, dass das Spielkonzept mit den vier Himmelsrichtungen faktisch auch genau vier Spieler*innen nahelegt. Zwar gibt das Spiel an, dass man einzelne Blickrichtungen weglassen kann oder im Team auf einen Plan schaut, wirklich sinnvoll ist das jedoch nicht – zu viel Information und Spannung gehen meiner Meinung nach dabei verloren. Clash Club lässt euch übrigens nach jedem Minikapitel die Pläne einmal nach links durchtauschen. Das wurde von uns als sehr angenehm empfunden, da sich die Szenerie dadurch deutlich besser erschließt und es noch mehr 'Aha'- und 'Oh!'-Momente gibt.


Fazit


Noch ein Wort zur Qualität der Abenteuer: Die Geschichten sind in allen drei Ausgaben durchweg gelungen. Wir waren selbst überrascht, wie viel sich mit diesem Spielprinzip abbilden lässt – und vor allem, wie konsequent das auch ausgenutzt wird. Ohne zu spoilern: Es kommen z. B. für kurze Zeit zusätzliche Regeln ins Spiel, die das Geschehen spürbar auflockern und sich sehr gut in den jeweiligen Abschnitt der Geschichte einfügen.


Die aktuelle Story Clash Club ist übrigens ein Epilog zum vorherigen Abenteuer Spooky Festival, was dem Ganzen eine schöne narrative Klammer verleiht. Wir sind wirklich gespannt, wie es weitergeht. Das kleine Geschmäckle bleibt jedoch: Wie bereits erwähnt, die Art der Veröffentlichung, die offenbar auch sehr umsatzorientiert ausgelegt ist.


Ich hoffe, dieser seichte Einblick reicht für eure Entscheidung, einmal in Point of View hineinzuschnuppern – und ihr habt mindestens genauso viel Spaß daran wie unsere Spielrunde.


Bis zum nächsten Mal – vermutlich dann mit einem Artikel zur SETI-Erweiterung - euer Marcel.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page