Einfach GWENTastisch! – das legendäre Kartenspiel im analogen Format
- Fuxelander

- 22. Sept. 2025
- 6 Min. Lesezeit

Gwent – das Spiel, das ich schon immer brauchte. Schon damals, zu Zeiten von The Witcher 3, war ich absolut in love mit diesem ins Hauptspiel integrierten Sub-Spiel, allseits bekannt unter dem Namen Gwent. Nun ging der Traum endlich in Erfüllung und es fand seinen längst verdienten Platz in der analogen Welt. Die Vorbestellung erfolgte natürlich im Nu. Irgendwann kam das erste Bild aus der Community, und schon gleich am nächsten Tag erreichte mich die E-Mail der ReckenEcke: ES IST DA UND WARTET AUF MICH, MEIN SCHATZ!
🫶Ein Schwall Liebe
Auf den Tisch kommt heut ein GWENT, so mega guuuuuuut! Ich bin eher selten aufgeregt, wenn es um das Öffnen neuer Spiele geht (Schande auf mein Haupt, I know). Aber bei Gwent war es doch ein bisschen anders. Auch wenn das Spiel ja überhaupt nicht mit imposanter Optik, teurem Material oder spannenden Entdeckungsmöglichkeiten zu assoziieren ist, so hat mein Herz beim Öffnen der Schachtel doch einen kleinen Freudensprung gemacht. Immerhin ist es Jahre her, dass mich Gwent im digitalen Raum von The Witcher 3 an den Handgelenken gepackt und in seine eigene, grandiose Welt gezerrt hat. Ein Hauch Nostalgie umhüllte mich also, als meine Augen Regelblätter und verschiedene Kartenstapel erblickten. Das Herzensspiel hat seine neue Heimat gefunden.

⚙️Wie Gwent funktioniert
Für alle, die mit dem Kartenspiel Gwent noch so gar nichts anfangen können, hier ein kurzer Abriss zum Spielkonzept und -ablauf im normalen 2-Spieler*innen-Setting:
Jede spielende Person wählt eine der fünf Fraktionen und erstellt sich ein Deck unter den folgenden Bedingungen:
👑Genau eine Anführerkarte
🏹Mindestens 22 Einheiten-/Heldenkarten
🌦️Höchstens zehn Spezialkarten (z. B. Wetterkarten oder Finten)
Für jede Partie, die 2 – 3 Runden gehen kann, werden zehn Handkarten gezogen. Diese bilden die Handkarten bis zum Ende der Partie.
Nacheinander legen die Spielenden jeweils eine Karte auf das Schlachtfeld ODER nutzen die aktive Fähigkeit des Anführers/der Anführerin (einmalig pro Partie).
Passen beide, endet die Runde.
Die Gesamtstärke aller Einheiten- und Heldenkarten wird gewertet, der/die Verlierende verliert eines von zwei Leben (aka ‚Edelsteine‘).
Das Schlachtfeld wird geräumt und die nächste Runde beginnt, wobei nun die andere Person beginnt.
Ein relativ simples Spielkonzept also. Der strategische Kniff und die Spieltiefe ergeben sich vor allem durch das optimale Timing von zu spielenden Karten und dem Passen sowie dem Umstand, dass regulär keine Karten nachgezogen werden. Es gilt also, mit einer kleinen Anzahl an Karten des Decks über bis zu 3 Runden zu haushalten, was auch eine psychologische Komponente mit sich bringt, insbesondere, wenn es um den richtigen Moment zum Passen geht. So kann ein frühzeitiges Passen dazu führen, dass das Gegenüber die eigene Gesamtstärke doch noch übertrumpft, während spätes Passen zwangsläufig bedeutet, weniger Karten in den darauffolgenden Runden zur Verfügung zu haben.

Für die Einheiten- und Heldenkarten gibt es drei Reihen, sozusagen die Ebenen des Schlachtfeldes: Infanterie, Fernkampf und Artillerie. Wiegt man sich in trügerischer Sicherheit, da man etwa eine Reihe besonders stark besetzt hat, und passt, so könnte das Gegenüber eine Wetterkarte spielen, die die Stärke auf 1 pro Einheit in einer Reihe (für beide Spieler*innen) reduziert – und damit die eigene Überlegenheit komplett zunichtemacht. Oder aber man hat einen ‚overkill‘ und das Gegenüber nimmt mit der ‚Finte‘ im Nachhinein sogar noch Einheiten vom Schlachtfeld wieder auf die Hand, um diese für eine spätere Runde wieder verfügbar zu haben. Der Sieg in dieser Runde könnte also zwei darauffolgende Niederlagen und damit den Verlust der Partie bedeuten. Einige Karten bieten zudem die Möglichkeit, Duplikate einer Karte ins Spiel zu bringen, Karten nachzuziehen, gezielt nach einer Karte zu suchen oder Einheiten aus dem Ablagestapel zurückzuholen. Es gibt, je nach eigenem Deck, sogar die Option eines Nebendecks, dessen Karten nicht regulär gezogen werden können, sondern durch gewisse Karten ‚getriggert‘ werden. Diese Mechanik gab es meiner Erinnerung nach nicht in The Witcher 3, ist aber sehr nice umgesetzt und erweitert die taktische Tiefe von Gwent.
💥Spielvarianten – ‘s gladschd glei!
🤜🤛Good old 1 on 1
Schon jetzt ist Gwent für mich ein zeitloser Klassiker. Dies trifft insbesondere auf das altbekannte 1-gegen-1-Setup zu, bei dem sich zwei Menschen von Angesicht zu Angesicht gnadenlose Schlachten abliefern. On top of that offenbart das Beiheft ‚Spielvarianten‘ sogar eine Turniervariante. Ja, klar! Das passt wie Arsch auf Eimer! Leute, also, jetzt wirklich: Ein Mindbug-Turnier ist ja schon nice, aber eines für Gwent, ich meine, GWENT?! Würde ich zur nächsten YOURBOARDCON kommen, würde ich euch damit nerven, bis ich mich unbeliebt mache oder alle damit angesteckt habe. Euer Glück, dass ich nicht zugegen sein werde! 😄

Meine noch äußerst überschaubaren Partien beschränken sich auf die Erlebnisse mit Mario (s. o.). Diese waren jedoch entzückend und natürlich noch besser, als man es aus dem Videospiel kennt. Warum? Na, weil man nun nicht mehr gegen NPCs spielt, sondern gegen echte Menschen, Freund*innen, Fremde und sonstige Beziehungsgeflechte. Da Mario und ich uns in Gwent nur bis zum eigentlichen Spieleabend und damit bis zum Eintreffen der anderen Brettspiellustigen battlen konnten, blieb nur Zeit für zwei Partien. In der ersten Runde zerschmetterte ich ihn mit der Seefahrerfraktion Skellige, bevor er mir in der zweiten Runde mit den Nördlichen Königreichen was auf'n Deckel gab. Unentschieden also. Ein Resultat, mit dem eigentlich niemand leben kann und möchte. Seine völlige Vernichtung steht also noch aus!
Einige minor-Fragen haben sich beim erstmaligen Spielen bereits ergeben, die so im Regelwerk nicht explizit beantwortet werden. Leider kann ich nur noch die Folgende aus dem Gedächtnis rekonstruieren: Ist die Anführerfähigkeit des Standard-Anführers von Skellige, bei dem eine gleiche Einheit auf dem Schlachtfeld mit dem Effekt ‚Enge Bindung‘ aus dem Deck gespielt werden kann, auch auf das Nebendeck bezogen? Ja, nein, vielleicht? Schreibt’s gern in die Kommis!
👥👥Mehrspieler*innen-Variante(n)
Doch die Entwickler:innen haben sogar noch 'ne Schippe draufgesetzt: zusätzlich zum altbekannten 1vs1-Mechanismus gibt es auch Mehrspieler*innen-Möglichkeiten! Bis zu fünf Personen können sich gegenseitig bekriegen, wobei bei drei bis fünf Spielenden das gewohnte Lebenspunktesystem einem Punktesystem weicht. Wer fünf Punkte macht, gewinnt. Dabei gibt es für jede*n Gegner*in, deren/dessen Gesamtstärke niedriger als die eigene ist, einen Punkt. Somit wird auch bei Maximalbesetzung gewährleistet, dass jede Partie mindestens zwei Runden geht.
Auf dem Papier, d. h. den jüngst durchgelesenen ‚Spielvarianten‘, liest sich das schon mal richtig, richtig gut und wirkt schlüssig – Praxistests bleiben noch aus. Besonders spannend für mich: der 2vs2-Modus! (!!!) Dort wird das gewohnte 1vs1-Lebenspunktesystem übernommen, doch treten insgesamt vier Fraktionen aufs Schlachtfeld und die Teampartner*innen können jederzeit gegenseitig ihre Karten einsehen, Strategien besprechen und gnadenlos ablosen oder die Gegner*innen in die Knie zwingen. Und ich denke, wenn man richtig crazy sein will, könnte man sogar daraus einen Turniermodus gestalten. Ich wüsste zumindest nicht, was dagegen spricht.
👤Oh Solo-miooo
Aber auch gegen das Spiel selbst kann man nach wie vor antreten. Dafür gibt es einen eigenen Bot-Mechanismus, der hier nicht näher erläutert werden soll. Doch sollte mal kein*e humanoide*r Gegner*in verfügbar sein, eignet sich diese Variante insbesondere dafür, eigens erstellte Decks auszutesten, eine Lieblingsfraktion zu ermitteln oder sich generell ins Spiel reinzufuchsen. Da ich aber bereits im Videospiel quasi bis zum Erbrechen gegen Nicht-Lebensformen angetreten bin, hege ich für diese Spielvariante aktuell noch kein allzu großes Interesse. Gern könnt ihr ja mal sagen, wie sich dieser Modus für euch anfühlt.
🛠️Deckbuilding – ein Fest für sich

Bereits angerissen ist noch auf das Deckbuilding einzugehen: Die jeweiligen Fraktionen bieten eine Palette an Karten und – richtig nice – es gibt sogar das oben erwähnte Skellige-Deck, das in The Witcher 3 erst mit der Erweiterung Blood and Wine eingeführt wurde. Da es nun mehr Karten für jede der Fraktionen als im Videospiel gibt, wachsen auch die Möglichkeiten des Deckbuildings, was wiederum zur Tüftelei und zur Varianz der Spielerlebnisse beiträgt. Und wer ohne viel Nachdenken direkt loslegen will, kann auf die für jede Fraktion erstellten Standarddecks zurückgreifen, für die die entsprechenden Karten ein Sternsymbol unten links aufweisen. Mehrere Anführerkarten erweitern zusätzlich strategische Möglichkeiten und die Deck-Varianz. Aktuell ist das Deckbuilding für mich noch gar nicht mal so ausschlaggebend, weil die Standarddecks bereits wohl durchdacht und ausgewogen erscheinen. So habe ich etwa bei der Monster-Fraktion noch keine einzige Karte ausgetauscht oder ergänzt. Doch immerhin das Nilfgaard-Deck habe ich ein klein wenig angepasst. Die Möglichkeiten sind also doch noch eher überschaubar. Das schreit definitiv nach Erweiterungen, sollte man das Deckbuilding noch etwas mehr forcieren und vertiefen wollen. Nichtsdestotrotz ist jede Partie und jede Runde höchst variabel und bereits das Standard-Gwent lädt zu unzähligen Schlachten ein.
✨Fazit zu Gwent – das legendäre Kartenspiel
Das, was ganz klar hängen bleibt, ist vor allem eines: ich liebe dieses Spiel! Die Entwickler*innen haben auch bei der analogen Umsetzung alles richtig gemacht und ein großartiges, flottes und leicht zu erlernendes Kartenspiel mit Spieltiefe, psychologischer Kriegsführung und hoher Varianz geschaffen. Die neuen Mehrspieler*innen-Modi wirken durchdacht und erhöhen die Anzahl an Situationen, das Spiel auf den Tisch zu bringen. Die Karten sind wie gewohnt schön illustriert, zudem gibt es Zusatzmaterial, um das positive Spielgefühl noch zu steigern – etwa mit Neopren-Matten oder auf die Fraktionen zugeschnittene Sleeves. Gwent wird meine Sammlung niemals verlassen und so freue ich mich schon auf zahlreiche Schlachten mit und gegen euch!
Euer Alex 🧚


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