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Blood on the Clocktower (YOURBLOODNIGHT)

oder auch: ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen


Vorletzten Freitag (18.07.2025) war es mal wieder so weit: die Turmuhr hatte für die nun fünfte YOURBLOODNIGHT geschlagen. Leider hatte seit unserer letzten Runde die Campus Bar ihre Tore für immer geschlossen und wir hatten bisher noch keinen neuen festen Ort gefunden. Was sollten wir also tun?

Wie man in meiner MiniBio lesen kann, bin ich im realen Leben Physiotherapeutin in einer kleinen Praxis hier in Dresden. Eine Frage später räumte ich eine unserer Liegen aus unserem größten Therapieraum und sammelte alle Stühle – Bürostühle und Sessel aus dem Vorraum inklusive –, die ich in unserer Praxis finden konnte. Alle Fenster (leider nur die winzigen Oberfenster) aufgerissen und eigentlich viel zu spät einen Ventilator aufgestellt, ließ sich die Wärme der Außentemperatur kombiniert mit der Wärme von vielen Menschen in einem leicht zu kleinen Raum dann auch halbwegs ertragen.

10 Spieler*innen hatten sich für den heutigen Abend angekündigt, zwei Neueinsteiger*innen darunter, weswegen ich mich doch wieder für das Custom Skript „Everyone can play“ (von Ben Burns, Mitarbeiter des Pandemonium Institutes) entschied – ich hatte ursprünglich das Custom Skript „Uncertain Death“ (von Matt, Reddit-User aus der BotC-Community) geplant. Naja, vielleicht ja das nächste Mal im August.


Nach und nach trafen meine Spieler*innen ein und bestaunten die durchaus beachtliche Größe der Praxis, die sich nach hinten raus zu einem langgezogenem U formt. Perfekt, um sich in kleinen Grüppchen ungesehen zu zerstreuen.

Sie ließen sich im leicht improvisierten Sitzkreis nieder und unsere zwei Neueinsteiger*innen erhielten ein kurzes Briefing über den Ablauf des Spiels und mögliche Fragen ihrerseits wurden geklärt – sowohl von mir, als auch anderen Mitspieler*innen, da Johan als Erklärbär leider abkömmlich war.


Gruppenbild im Stuhlkreis (Praxisraum) bei der YourBloodNight
Gruppenbild im Stuhlkreis (Praxisraum) - YBLN 18.07.2025; © Betti (YBG)

Regel Nummer 1: Vertraue niemandem, den du vor dem Spiel gut kanntest

Franz-Joseph, als heutiger Uhrmacher, erfuhr in der ersten Nacht, dass der Dämon und einer seiner Schergen direkt nebeneinandersitzen mussten. Mario als Empath wusste nun, dass sowohl Shari, als auch René als seine Sitznachbarn ‚gut‘ waren. René erkannte, dass es sich bei Shari um den Rabenhüter handelte, denn sie war sein heiß geliebtes Enkelkind und Nadine erhielt ein ‚Nein‘ auf ihre Wahl als Wahrsagerin.

Dies waren die Informationen der ersten Nacht. Da es weder einen Giftmischer noch einen Trunkenbold gab, konnte man diesen Informationen vertrauen, auch wenn meine Spieler*innen das natürlich nicht wussten (bei 10 Spieler*innen gibt es regulär keine Außenseiter).


Ich denke, die erste der beiden Runden – und vielleicht sogar auch die zweite – wurde von zwei wichtigen Punkten getragen:

1. Die Antwort auf die Künstlerfrage von Mike.

2. Jakob wollte Meggy unbedingt vertrauen.


Die Frage lautete: „Ist der Dämon eine Frau?“ – und die musste ich bejahen, denn Meggy hatte zuvor den Imp-Token gezogen. Es entspann sich eine Diskussion, ob man vielleicht alle Frauen (vier an der Zahl) der Reihe nach hinrichten sollte und wie wahrscheinlich es war, dass es unter ihnen eine Scharlachrote Frau geben mochte. Andererseits war es ja auch noch möglich, dass Mike vergiftet worden war oder, dass unter den anderen drei Frauen wichtige Rollen verteilt waren.

Obwohl sich Franz-Joseph opfern wollte, stimmte das Dorf für Mike, der nun ebenfalls keine Fähigkeit mehr besaß, und die Gruppe spaltete sich in zwei große Gruppen mit einigen, kleinen Splittern: das böse Team (Meggy, Marcel, Anne) und Jakob auf der linken und das gute Team auf der rechten Seite. Dazu muss man wissen, dass Meggy aus Berlin bei uns zu Besuch war und sich Jakob lange darauf gefreut hatte (beim DiggerWochenende kennen- und bei der YourBoardCon lieben gelernt) – was auch sein Urteil etwas eintrübte.

Tagsüber zerstreute sich die Gruppe, wobei der Großteil der Spieler*innen erstmal an der frischen Luft gemeinsam rauchte bzw. Information austauschte. Andere besprachen sich in unserem Trainingsraum oder weiter im hinteren Teil der Praxis, wo unsere Ergotherapeuten ihre Räume haben. 


In der zweiten Nacht entschied sich Meggy (Dämon) dafür, Jakob (Narr) zu ermorden, wodurch Marcel behaupten konnte, er wäre der Mönch und hätte jemand anderen beschützt. René offenbarte am Tag, dass er als Großmutter Shari (Rabenhüter) vertraute, weswegen nun er hingerichtet werden musste.

Das ist das Problem mit der guten Oma: sie kann zwar einer Person blind vertrauen (insofern sie nicht betrunken oder vergiftet ist), aber sollte ihr Enkelkind vor ihr sterben, stirbt sie mit ihm. Da das böse Team wusste nun mit großer Sicherheit, dass es sich dabei um Shari handelte, schickten wir René zu den Ahnen, um weniger Tote unter den Guten zu riskieren.

Damit waren bereits zwei verstorben und darunter war noch kein Scherge oder gar der Dämon.


Hatten wir zu Beginn eine eher ruhige Runde, starben meine Spieler*innen nun wie die Fliegen. In Nacht Nummer 3 tötete Meggy Shari und löste damit versehentlich ihre Fähigkeit als Rabenhüter aus, die sie sogleich als Dämon bestätigte. Marcel seinerseits gab Mario den Todesstoß als Meuchelmörder, wodurch es dann doch nur noch sechs von zehn waren. Nadine wusste nun, dass entweder Anne oder Meggy der Dämon sein musste.

Tagsüber wurde allerdings nicht Meggy, sondern Anne hingerichtet, da diese sich in der großen Runde versprochen und nicht so einen starken Rückhalt (Jakob) hatte. Blieben noch fünf lebende Spieler*innen – Meggy tötete sich des Nachts selbst und übergab damit Marcel den Staffelstab.

Nadine überprüfte ihrerseits Meggy und Jakob und erhielt, obwohl Meggy bereits tot war, ein ‚Ja‘, denn bei Jakob handelte es sich um ihren sogenannten Roten Hering. Damit war es für die rechte Seite besiegelt: Jakob musste der neue Dämon sein! Jakob seinerseits war sich ganz sicher: Nadine ist der einzig wahre Dämon und war bereit, sich in den Kampf zu stürzen.

Doch der von mir erwartete Tornado blieb aus, denn als Jakob wieder in den Kreis der Gruppe zurückkehrte, war er sehr ruhig und leicht bedrückt.

„Ich war mir ganz sicher, dass sie die Bösen sind, ganz sicher. Aber dann habe ich festgestellt… ich bin der Böse…“ und damit ließ er sich kampflos hinrichten und, da er sein erstes Leben ja bereits verloren hatte, starb auf dem Richtblock – allerdings nicht ohne Meggy einen verletzten Blick zu zuwerfen.


Grimoire der ersten Runde mit den verschiedenen Rollen und ihren jeweiligen Sitzpositionen
Grimoire erste Runde, letzter Tag (5. YBLN); © Betti (YBG)

Marcel tötete schließlich Franz-Joseph, der als Uhrmacher erstaunlich lange überlebt hatte, in der letzten Nacht der ersten Runde, wodurch nur noch er und Nadine übrig blieben. Mit genug Verwirrung und dem Argument „Von Anfang an will ich nur Frauen töten!“ schaffte er es, dass beide dieselbe Anzahl an Stimmen erhielten und damit dem Bösen Team den Sieg zu sichern!

Für einen kurzen Moment stand auf der Kippe, ob eine zweite Partie stattfinden würde, doch Mike überzeugte unser Dream-Trio (Nadine, Marcel, René), noch ein wenig länger zu bleiben, und damit gingen wir in Runde 2.


Regel Nummer 2: Zweifle an, was der Storyteller sagt – immer (bitte)

Shari, als neuer Uhrmacher, erfuhr in der ersten Nacht, dass der Dämon und einer seiner Schergen zwei Plätze auseinander sitzen mussten. Jakob als Bibliothekar wusste nun, dass es offiziell keine Außenseiter und damit auch keinen Trunkenbold gab. Franz-Joseph erhielt ein ‚Nein‘ auf seine Wahl als Wahrsagerin und Mario entschied sich dazu, Mike zu vergiften (eine Wahl, die ich vielleicht mit etwas zu viel ‚Meta-Gaming‘ durcheinandergebracht habe).

Das war die erste Nacht und Meggy war bereits davor wenig begeistert davon, erneut der Dämon zu sein.


Grimoire der zweiten Runde mit den verschiedenen Rollen und ihren jeweiligen Sitzpositionen
Grimoire zweite Runde, erster Tag (5. YBLN); © Betti (YBG)

Bei Tage stellte Mike (wieder der Künstler) direkt seine Frage und obwohl er vergiftet war, gab ich ihm die echte Antwort ‚Ja‘. Um ehrlich zu sein, hatte ich gehofft, es würde die Gruppe so verwirren, dass sie glauben würden, er wäre vergiftet – was er witzigerweise ja auch war. Aber die Gruppe, ganz im Gegensatz zu Mike, vertraute seiner Aussage konsequent und mittlerweile hatte Meggy auch Jakobs bedingungslosen Beistand verloren. Dieser opferte sich auch sogleich, da er ‚müde‘ war von der letzten Runde (laut Jakob ist früher sterben besser als später 😅), wurde von Mike aus Mitleid nominiert und vom Dorf schließlich hingerichtet. Interessanterweise standen auch Shari, die ihre Infos öffentlich geteilt hatte, und Mike, der seine Fähigkeit ja bereits genutzt hatte, zur Wahl, ließen aber Jakob den Vortritt.


Und damit ging es wieder in die Nacht: Meggy tötete Marcel und Mario vergiftete René (Totengräber), dem ich mit Freuden den Giftmischer-Token zeigte. Einerseits wollte ich Verwirrung stiften und andererseits hoffte ich noch immer darauf, dass nun, da klar war, dass es einen Giftmischer geben musste (entweder weil Jakob es tatsächlich war oder René vergiftet worden sein musste), Mikes Aussage weniger auf sicheren Beinen stand – aber leider kam ich bei meiner Gruppe damit nicht durch 🥲.

Anne überprüfte Mike als Glücksspieler und durfte, da er das tatsächlich war, überleben, während Franz-Joseph (Wahrsagerin) seinerseits Meggy und Nadine genauer unter die Lupe nahm und ein ‚Ja‘ erhielt.


Regel Nummer 3: Habt Spaß, denn wenn Fehler passieren, passieren sie eben

Tagsüber ging es den Beiden direkt an den Kragen, doch letztendlich konnte die Gruppe davon überzeugt werden, Nadine zu hängen – die hatte sich des Nachts schlauerweise als Teufelsadvokat geschützt und konnte deshalb behaupten, der Narr zu sein. Ob ihr das geglaubt wurde? Eher nicht, aber das ist in diesem Moment nicht weiter wichtig.

Wieder einmal wurde es Nacht und Meggy entschied sich ein zweites Mal dafür, sich selbst zu töten, und da Nadine bereits auf einem dünnen Balken stand, übergab ich Mario das Zepter des Dämons. 


Am nächsten Tag war es allerdings so weit und wir mussten uns von Nadine verabschieden, denn Meggy hatte sich versehentlich als ehemaliger Imp offenbart und damit gab es mathematisch nur eine Lösung: Nadine musste einer der beiden Schergen sein! Und vielleicht ja sogar der neue Dämon?

Laut angefeuert von Marcel stieg sie in die Eiserne Jungfrau, doch das Spiel war noch immer nicht zu Ende. In der Nacht entschied sich Mario dazu, René (Totengräber) zu töten, eine gute Wahl, wenn man mich fragt. Aber das konnte ihn leider nicht mehr retten: war er doch der Einzige, der von seinem Team noch am Leben war.

Meggy versuchte noch etwas Verwirrung im guten Team zu stiften, indem sie ebenfalls für Mario stimmte und es hätte vielleicht auch funktionieren können. Schlussendlich wurde ein Scheiterhaufen errichtet und als die bunten Funken nur so stoben, konnten sich die Guten über ihren Sieg erfreuen.


Und damit ging auch diese YOURBLOODNIGHT – wenn ich das mal so sagen darf – erfolgreich zu Ende. Auch wenn die Umstände eher ungewöhnlicher Natur waren, so haben wir doch das Beste aus dem gemacht, was uns zur Verfügung stand – und ich hatte wie immer großen Spaß. ☺️

Ich freue mich schon auf das nächste Mal im August, wo auch immer wir uns dann sehen werden, und auf „Uncertain Death“, in der Hoffnung, dass wir das dann endlich ausprobieren können.


Vielen lieben Dank fürs Lesen und Mitspielen!


(Anmerkung d. Redaktion: Rollen wurden entsprechend der Gender-Bezeichnungen im Spiel beibehalten, was jedoch nicht unkritisch gegenüber den Spieleentwickler*innen zu erachten ist.)

1 Kommentar


Marcel Herzog
Marcel Herzog
26. Juli 2025

Der Part mit dem Seggs-Entzug fehlt ja völlig.

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